~~NOTOC~~
===== RITA I =====
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^ Allgemeines ^^
| **Name** | AMRUM\\ ab 03.1968: STADT HUSUM\\ ab 02.1983: RITA I\\ ab 04.1987: SYLTER HAHN\\ ab 02.1988: HAUKE HAIEN |
| **Unterscheidungssignal** | DJCN |
| **IMO** | 5015311 |
| **MMSI** | 211298490 |
| **Eigner / Betreiber** | Amrumer Schiffahrts-AG, Husum\\ Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH\\ Westfalia Reederei GmbH, Walter Puhlmann, Eckernförde\\ Reederei Hinrichsen, Rantum\\ Halligreederei MS HAUKE HAIEN, Bernd Diedrichsen |
| **Typ** | Fahrgastschiff\\ Hallig- und Inselversorger\\ zeitweise Stundenfahrtschiff |
| **Baujahr** | 1960 |
| **Bauwerft** | Büsumer Schiffswerft W. & E. Sielaff, Büsum |
| **Baunummer** | 203 |
| **Bauart** | Plattbodenschiff für das Wattenmeer |
| **Heimathäfen** | Husum\\ Eckernförde\\ Rantum\\ Hallig Hooge |
| **Status** | 2026 als HAUKE HAIEN in Fahrt |
^ Technische Daten ^^
| **Vermessung** | ursprünglich 149 GT\\ nach Umbau 152 BRZ / 59 NRZ |
| **Länge** | 33,60 m |
| **Breite** | 6,00 m\\ teilweise 6,30 m angegeben |
| **Tiefgang** | 1,39 / 1,40 m |
| **Maschine** | ursprünglich MaK 200 PS\\ ab 1990 MaK, ca. 430–450 PS |
| **Antrieb** | 1 Festpropeller |
| **Geschwindigkeit** | ca. 11 kn |
| **Fahrgastzulassung** | ursprünglich bis 200 Personen\\ als RITA I 170 Fahrgäste |
| **Fahrzeugtransport** | ursprünglich bis zu 3 Pkw auf dem Vorschiff |
===== RITA I =====
Die **RITA I** war ein flachgehendes Fahrgastschiff, das von **1983 bis Ende 1986** von Eckernförde aus für Stundenfahrten eingesetzt wurde. Gebaut worden war das Schiff bereits 1960 als **AMRUM** für den Verkehr zu den nordfriesischen Inseln und Halligen.
Die Konstruktion als Plattbodenschiff mit nur etwa **1,40 m Tiefgang** war speziell auf das flache und von starken Gezeiten geprägte Wattenmeer abgestimmt. Neben Fahrgästen konnte das Schiff auch Vieh, Versorgungsgüter und bis zu drei Pkw auf dem Vorschiff befördern.
Nach seiner kurzen Eckernförder Zeit kehrte das Schiff an die Nordseeküste zurück. Seit 1988 fährt es unter dem Namen **HAUKE HAIEN** und ist auch 2026 weiterhin für Hallig-, Ausflugs- und Charterfahrten im Einsatz.
===== Bau als AMRUM =====
Das Schiff wurde 1960 auf der **Büsumer Schiffswerft W. & E. Sielaff** unter der Baunummer **203** gebaut.
Die Kiellegung erfolgte am **15. Juni 1960**. Nach dem Stapellauf im September wurde das Schiff am **8. Oktober 1960** als **AMRUM** an die **Amrumer Schiffahrts-AG** abgeliefert und kurz darauf in Dienst gestellt.
Die Maße betrugen **33,60 × 6,00 × 1,39 m**. In einzelnen späteren Angaben wird die Breite mit **6,30 m** genannt. Das Unterscheidungssignal lautete **DJCN**.
Die geringe Wassertiefe des Wattenmeeres erforderte ein Schiff mit sehr flachem Unterwasserschiff. Die **AMRUM** erhielt deshalb einen breiten, nahezu ebenen Boden und nur rund 1,40 m Tiefgang.
Die ursprüngliche Hauptmaschine war ein **MaK-Dieselmotor mit 200 PS**. Damit erreichte das Schiff ungefähr **11 kn**. Nach den Erinnerungen aus Eckernförde war die Maschine für das schwere und breit gebaute Schiff jedoch vergleichsweise schwach.
===== Halligverkehr und Inselversorgung =====
Die **AMRUM** fuhr zunächst von Husum und Schlüttsiel zu den nordfriesischen Inseln und Halligen. Zu den regelmäßig angelaufenen Zielen gehörten unter anderem:
* Amrum
* Hallig Hooge
* Hallig Langeneß
* Schlüttsiel
Das Schiff wurde nicht nur als Fahrgastschiff, sondern auch als Inselversorger genutzt. Auf dem Vorschiff konnten Vieh, Stückgut und bis zu drei Personenwagen befördert werden.
Damit erfüllte die **AMRUM** eine wichtige Doppelfunktion: Sie brachte Ausflügler und Inselbewohner über das Wattenmeer und stellte zugleich einen Teil der Versorgung der Inseln und Halligen sicher.
===== Einsatz bei der Sturmflut 1962 =====
Bei der schweren Sturmflut im Februar **1962** spielte die damalige **AMRUM** eine wichtige Rolle.
Unter Kapitän August Jakobs war sie eines der ersten Schiffe, das die stark betroffene Hallig Langeneß erreichte. Sie brachte Rettungskräfte auf die Hallig und versorgte die Bewohner sowie ihre Tiere mehrere Tage lang mit Trinkwasser.
Die örtlichen Wasserstellen waren durch die Sturmflut unbrauchbar geworden. Da die Halligen damals noch nicht durchgehend an eine Wasserleitung vom Festland angeschlossen waren, war die Versorgung durch das Schiff von erheblicher Bedeutung.
===== STADT HUSUM =====
1968 nahm die Amrumer Schiffahrts-AG eine neue Autofähre mit dem Namen **AMRUM** in Dienst.
Das bisherige Schiff wurde deshalb im März **1968** in **STADT HUSUM** umbenannt. Es blieb von Husum aus für Hallig- und Ausflugsfahrten in Fahrt.
Am **1. Februar 1971** ging die **STADT HUSUM** im Zuge einer Unternehmensfusion in den Besitz der **Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH** über.
===== Die Westfalia Reederei in Eckernförde =====
Im Februar **1983** kaufte **Walter Puhlmann** das Fahrgastschiff. Es erhielt den Namen **RITA I** und Eckernförde als Heimathafen.
Für den Betrieb gründete Puhlmann die **Westfalia Reederei GmbH** in Eckernförde. Nach Bernd Gradlowskis Überlieferung bezog sich der Name **RITA** auf eine Frau.
Walter Puhlmann besaß selbst kein nautisches Patent. Seine Schiffe wurden deshalb von angestellten beziehungsweise zeitweise eingesetzten **Setzkapitänen** geführt.
Neben der **RITA I** betrieb Walter Puhlmann von Eckernförde aus zeitweise auch:
* **KFK 519 PETER VON DANZIG II**
* **SCHOLLE**
===== Stundenfahrten ab Eckernförde =====
Die **RITA I** wurde von Eckernförde aus ausschließlich für **Stundenfahrten** eingesetzt. Diese kurzen Ausflugsfahrten wurden auch als **„kleine Butterfahrten“** bezeichnet.
Das Schiff war für **170 Fahrgäste** zugelassen. Aufgrund seines breiten Plattbodens und der großzügigen Aufbauten bot es im Vergleich zu den ehemaligen Fisch- und Kriegsfischkuttern relativ viel Raum für Passagiere.
Die Fahrten führten von der Eckernförder Bucht auf die Ostsee und anschließend zurück in den Hafen. Der Fahrbetrieb war vor allem auf den Ausflugsverkehr und den damals noch möglichen zollfreien Einkauf auf See ausgerichtet.
===== Eisfahrt im Winter 1983/84 =====
Aus der Eckernförder Zeit ist insbesondere eine Begebenheit aus dem strengen Winter **1983/84** überliefert.
**Bernd Gradlowski berichtet:**
Im Winter 1983/84 war die Eckernförder Bucht komplett zugefroren. Es wurde trotzdem gefahren – auf Teufel komm raus.
Durch die Fahrt im Eis verbogen sich die Propellerflunken der RITA I. Statt das Schiff für eine längere Reparatur auf eine Werft zu bringen, wurde der beschädigte Propeller direkt am Liegeplatz in Eckernförde ausgetauscht.
Zwei Taucher arbeiteten unter Wasser und wechselten dort den Propeller. Da wurde nicht lange gefackelt. Das waren noch wilde Zeiten!
===== Auflegung in Eckernförde =====
Ende **1986** wurde die **RITA I** im Eckernförder Außenhafen aufgelegt.
Damit endete ihre knapp vierjährige Einsatzzeit für die Westfalia Reederei. Das Schiff wurde anschließend verkauft und kehrte in das Fahrtgebiet zurück, für das es ursprünglich gebaut worden war.
===== SYLTER HAHN =====
Im April **1987** erhielt das Schiff den Namen **SYLTER HAHN**.
Betreiber war die **Reederei Hinrichsen** aus Rantum auf Sylt. Eingesetzt wurde das Schiff unter anderem auf der Verbindung:
* Rantum
* Amrum
* Hallig Hooge
Die geringe Tauchtiefe und der flache Rumpf eigneten sich weiterhin besonders für den Verkehr in den flachen Wattengewässern.
===== HAUKE HAIEN =====
Im Februar **1988** übernahm **Bernd Diedrichsen** von der Hallig Hooge das Schiff und benannte es in **HAUKE HAIEN** um.
Der Name verweist auf den Deichgrafen aus Theodor Storms Novelle **„Der Schimmelreiter“**.
Von Schlüttsiel und später auch von Wyk auf Föhr aus wurde die **HAUKE HAIEN** für Hallig- und Ausflugsfahrten sowie für Seebestattungen eingesetzt. Heimathafen wurde die **Hallig Hooge**.
===== Umbau und neue Maschine =====
1990 wurde das Schiff auf der **Eberhardt-Werft in Arnis** umfassend überholt und modernisiert.
Zu den Arbeiten gehörten:
* Einbau eines stärkeren MaK-Dieselmotors
* Erneuerung der gesamten Bordelektrik
* Modernisierung der Fahrgasträume
* technische und sicherheitsrelevante Grundüberholung
Die Leistung der neuen Maschine wird mit etwa **430 bis 450 PS** angegeben. Die moderne Vermessung beträgt **152 BRZ** und **59 NRZ**.
Durch die stärkere Maschine wurden die Manövrierfähigkeit und die Leistungsreserven des zuvor eher schwach motorisierten Schiffes erheblich verbessert.
===== Halligfahrten und Seebestattungen =====
Als **HAUKE HAIEN** wird das Schiff für unterschiedliche Fahrten im nordfriesischen Wattenmeer eingesetzt. Zum Angebot gehören unter anderem:
* Fahrten zur Hallig Hooge
* Fahrten zur Hallig Langeneß
* Touren zu den Seehundsbänken
* Seetierfang und naturkundliche Ausflugsfahrten
* Charterfahrten
* Seebestattungen
Die Abfahrten erfolgen insbesondere ab **Schlüttsiel**, **Wyk auf Föhr** und zeitweise **Dagebüll**.
===== 2026 weiterhin in Fahrt =====
Die **HAUKE HAIEN** ist auch in der Saison **2026** weiterhin in Fahrt.
Der aktuelle Fahrplan der Halligreederei enthält mehrere Ausflugsfahrten ab Schlüttsiel und anderen nordfriesischen Häfen. Dazu gehören ganztägige Touren zur Hallig Hooge, zu Seehundsbänken und durch das Wattenmeer.
Das Schiff fährt unter deutscher Flagge mit der IMO-Nummer **5015311** und der MMSI **211298490**. Als Heimathafen wird weiterhin **Hallig Hooge** geführt.
Damit ist das 1960 gebaute Schiff seit mehr als 65 Jahren im Fahrgastverkehr eingesetzt.
[{{hauke_haien.jpg?600|Die **RITA I** als **HAUKE HAIEN**.}}]
===== Bedeutung für Eckernförde =====
Die **RITA I** gehörte nur wenige Jahre zur Eckernförder Ausflugsflotte, war jedoch aufgrund ihrer Konstruktion ein ungewöhnliches Schiff im Hafen.
Anders als die schmaleren Fisch- und Kriegsfischkutter war sie als breit gebautes Plattbodenschiff speziell für das Wattenmeer entworfen worden. Ihre geringe Tauchtiefe, die große Fahrgastkapazität und die frühere Nutzung als Inselversorger unterschieden sie deutlich von Schiffen wie **PETER VON DANZIG II** und **SCHOLLE**.
Gemeinsam bildeten diese drei Schiffe die Flotte von Walter Puhlmann und seiner Westfalia Reederei. Die **RITA I** steht damit für einen kurzen, aber markanten Abschnitt der Eckernförder Stunden- und Butterfahrten.
Bemerkenswert ist, dass das Schiff nicht wie viele frühere Eckernförder Fahrgastschiffe abgewrackt wurde. Als **HAUKE HAIEN** kehrte es zu seinen ursprünglichen Aufgaben im Wattenmeer zurück und ist dort bis heute im Einsatz.