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ANTARES

ANTARES

Allgemeines
Name
Fischereikennzeichen KIE 716
1952: BUR 6
ab 1953: HF 517
ab 1970: SH 17
Unterscheidungssignal 1945: DTGL
ab 1953: DGMZ
Eigner / Betreiber J. Höfs sen. & jr., Schilksee / Schilksdorf
W. Lüdtke, Kiel-Pries
Richard Peters
Fr. R. Rades
Reederei MAVETI, Eckernförde
Reederei Hochsee-Angel-Touren
Günther Marx, Eckernförde
Reederei Eckernförder-Seetouristik
Wolfgang Potratz, Strande
Reederei Nordsee-Touristik Eckernförde / Strande
Peter Sippli, Strande
Herr Johns
Rainer Blickwedel
Martina Rioflorido, Fehmarn
Bernd Klement, Heikendorf
Offshore Yachtshop, Flensburg
seit 2021 privater Eigner
Typ Kriegsfischkutter
später Fischkutter
später Sportangel- und Fahrgastfahrzeug
Baunummer KFK 518
Bau-Nr. 331
Baujahr 1944
Bauwerft Ernst Burmester Schiffswerft KG, Swinemünde
Status seit 2021 in Privatbesitz, 2026 schwimmfähig an der Museumswerft Flensburg
Technische Daten
Länge 24,00 m
Breite 6,40 m
Tiefgang 2,50 m
Vermessung 70 BRT / 21 NRT
Maschine ursprünglich Modag 120 PS
ca. 1960–1977: Buckau-Wolf / SKL, 250 PS
ab 1977: Mercedes-Benz-Diesel, 300 PS

ANTARES

Die ANTARES war der ehemalige Kriegsfischkutter KFK 518. Gebaut wurde der Kutter 1944 auf der Ernst Burmester Schiffswerft KG in Swinemünde unter der Bau-Nr. 331.

Nach Kriegseinsatz, britischer Beutezeit und Dienst in der Minenräumung wurde der KFK zunächst zum Fischkutter zurückgebaut. Später wurde er als Sportangel- und Fahrgastfahrzeug bekannt und lag über längere Zeit in Eckernförde.

Bau und Kriegseinsatz

Der Kutter wurde als KFK 518 gebaut. Am 14. August 1944 wurde er über die Abteilung 2, Admiral Nordsee an die 6. Marine-Ersatzabteilung abgegeben.

Am 8. September 1944 kam KFK 518 zur Schulflottille. Am 13. September 1944 ist der Kutter beim MOK Nord, HOe 2, der Hafenschutzflottille Hoek van Holland, verzeichnet.

1945 wurde KFK 518 britische Beute.

Minenräumung und Nachkriegszeit

Nach Kriegsende wurde der ehemalige Kriegsfischkutter bis Dezember 1946 zur Minenräumung eingesetzt.

Er war bei der GM/SA, der German Mine-Sweeping Administration, in Westdeutschland geführt. Im Oktober 1945 gehörte er zur 14. Minensuchflottille, 3. Gruppe, unter der Kennung M 1432 beziehungsweise 14. GKSF.

Als Unterscheidungssignal ist für 1945 DTGL überliefert.

Im Juli 1946 war der Kutter bei der 2. Gruppe verzeichnet. Am 9. Dezember 1946 wurde er nach Schleswig-Holstein abgegeben.

EDITH INGE

Am 10. Dezember 1946 erhielt der Kutter den Namen EDITH INGE. Als Eigner beziehungsweise korrespondierende Reeder werden J. Höfs sen. & jr. aus Schilksee / Schilksdorf sowie W. Lüdtke aus Kiel-Pries genannt.

Der Rückbau zum Fischkutter erfolgte auf der Werft Kremer & Sohn in Elmshorn.

Der Kutter fuhr danach als KIE 716 EDITH INGE in der Korrespondierende-Reeder-Hochsee-Fischerei Kiel. Genannt werden J. Höfs jr. aus Schilksdorf und W. Lüdtke aus Kiel-Pries.

Um 1951 erscheint W. Lüdtke in Kiel-Pries als Eigner.

1952 wurde der Kutter als BUR 6 geführt.

ANTARES

1952 erfolgte ein britischer Verkauf nach Holland. Anschließend wurde der Kutter zurückgekauft.

Am 11. September 1953 erhielt das Schiff den Namen ANTARES unter Richard Peters.

Am 14. September 1953 wurde der Kutter als HF 517 ANTARES geführt. Das Unterscheidungssignal lautete DGMZ.

Zu dieser Zeit lag die ANTARES in Finkenwerder auf. Der Rückbau beziehungsweise weitere Umbau erfolgte auf der Werft Eckmann in Finkenwerder.

Am 29. Dezember 1969 erscheint Fr. R. Rades als Eigner.

Am 26. Mai 1970 kam der Kutter nach Heiligenhafen und wurde als SH 17 geführt.

MAVETI und Eckernförde

Im Januar 1977 wurde die ANTARES von Heiligenhafen nach Eckernförde überführt. Dort wurde die Reederei MAVETI gegründet. Der Name MAVETI wurde aus den Namen Marx, Vetter und Tiedemann gebildet.

Betreiber war zunächst die Reederei Hochsee-Angel-Touren beziehungsweise die neu gegründete Reederei MAVETI in Eckernförde.

Auf der Siegfried-Werft in Eckernförde wurde der ehemalige Kriegsfischkutter zum Angelkutter umgebaut. Dabei wurde der Decksalon aufgesetzt und das Ruderhaus um etwa einen Meter erhöht.

Die ANTARES wurde anschließend für Angelfahrten und Stundenfahrten von Eckernförde aus eingesetzt.

Im April 1977 standen die Probe- und Abnahmefahrt an. Auf der Rücktour kam es beim Anlegemanöver an der Siegfried-Werft zur Havarie mit der Holzbrücke. Dieses Ereignis blieb in Eckernförde als „Ramming-Malheur“ in Erinnerung.

1979 war Günter Marx Eigner. Der Betrieb erfolgte nun über die Reederei Eckernförder-Seetouristik.

1981 übernahm Wolfgang Potratz den Kutter. Genannt wird in dieser Zeit die Reederei Nordsee-Touristik Eckernförde / Strande.

1983 wurde Peter Sippli aus Strande Eigner. Die ANTARES wurde nun nur noch als Angelkutter eingesetzt. Heimathafen und Liegeplatz waren Strande.

Bernd Gradlowski berichtet

ANTARES, KFK 518 hatte von zirka 1960 bis Sommer 1977 einen Dieselmotor Buckau-Wolf (SKL) von 250 PS als Hauptantrieb. Im Jahre 1977 geschah das „Ramming-Malheur“ mit der Holzbrücke. Nach diesem Vorfall mit der Holzbrücke wurde die Maschine ausgetauscht. Ein neuer Mercedes-Benz Dieselmotor mit 300 PS wurde eingebaut, dann betätigte sich das Schiff 1979 im Hafen Eckernförde ausnahmsweise als Eisbrecher.

Im gleichen Jahr sollte der KFK in den Binnenhafen verholt werden. Die Holzbrücke ließ sich nur zur Hälfte öffnen, die Seite nach Borby war defekt. Die Durchfahrtsbreite beträgt 11,5 Meter, der KFK hatte schon eine Breite von 6,40 Meter. Mein Vater meinte, das Schiff bekommen wir durch, was er „über Eck“ dann auch gut schaffte, die Folge war natürlich wieder ein Menschenauflauf im Hafen von Eckernförde.

Dann folgte der schlimme Slip-Unfall auf der Siegfried-Werft 1981. ANTARES rutschte im Slip auf die Seite und musste von einem Schwimmkran aufgerichtet werden.

In dem außergewöhnlichen Eiswinter 1978 geschah mit Angelkutter ANTARES folgendes: Es muss im November 1978 gewesen sein, wir hatten noch eine Angeltour mit der ANTARES südlich vor Langeland. Die Ostsee fror langsam zu, aber es waren immer noch vereinzelte Stellen zum Angeln offen. Dann hieß es aber ab nach Hause, sonst frieren wir noch ein.

Auf der Rückreise nach Eckernförde, hieß es „Hebel auf den Tisch.“ Durch die neue Maschine und neuer Laufschraube lief der Angelkutter fast elf Meilen. Die Eckernförder Bucht war schon komplett zugefroren, aber es war immer noch dünnes Scheibeneis durch das wir bis Eckernförde mit der hoher Geschwindigkeit durchfuhren.

In Eckernförde angekommen, stellten wir fest, dass vorne an den Bug-Planken, oberhalb des Eisschutzes ca. zwei Zentimeter der Plankenstärke ausgeschält waren, es standen nur noch vereinzelte Äste hervor. – Was war die Ursache? Der Eisschutz war nicht hoch genug angebracht worden! – Und dann hatte ANTARES einen richtig hochgezogenen „Schnurrbart“, auch hier war die Farbe runter. Der Vorsteven war dagegen mit Eisen überzogen, nun, — das ist heute alles Geschichte.

Es sollte erwähnt werden, mein Vater fuhr 1956–1964 auf KFK 560, HEIMAT bei Heinz Sporwien, meistens in der Lachsfischerei als Bestmann.

1962 machte er das Steuermanns-Patent für die Große Hochsee-Fischerei in Büsum. (B3)

Als es dann mit dem Deckspersonal immer schlimmer wurde, es waren kaum noch Leute zu bekommen, hat mein Vater im Herbst 1964 auf der HEIMAT abgemustert. Es mussten damals öfters Reisen abgebrochen werden, weil es mit dem Deckspersonal nicht funktionierte. Es heuerten auch schon Ausländer an oder Leute aus dem Gefängnis, aber das ging nicht lange gut.

1954–1956 fuhr Vater auf KFK 365, STURMVOGEL und auf KFK 622, PAULA.

Slip-Unfall und spätere Eigner

1981 kam es auf der Siegfried-Werft in Eckernförde zu dem schweren Slip-Unfall: Die ANTARES rutschte im Slip auf die Seite und musste durch einen Schwimmkran wieder aufgerichtet werden.

1981 war Wolfgang Potratz aus Strande als Eigner genannt. In dieser Zeit erscheint außerdem die Reederei Nordsee-Touristik Eckernförde / Strande.

1982 kam der Kutter zur Nordsee-Touristik.

1983 erscheint Peter Sippli aus Strande als Eigner. Die ANTARES wurde nun nur noch als Angelkutter genutzt. Heimathafen und Liegeplatz waren Strande.

Weitere Eigner waren bis 2000 Herr Johns sowie Rainer Blickwedel.

Nach dem Tod des Voreigners Herrn Johns auf See übernahm später Bernd Klement in Heikendorf mit SafetyShip den Kutter.

Der Kapitän der ANTARES, KFK 518, Horst Gradlowski, mit einer fetten Beute.

Horst Gradlowski und die ANTARES

Horst Gradlowski fuhr später als Kapitän auf der ANTARES. Ein Bild zeigt ihn mit reicher Beute an Bord.

Die Angaben Bernd Gradlowskis stellen die ANTARES zugleich in einen größeren Zusammenhang der Eckernförder Nachkriegsfischerei.

Horst Gradlowski fuhr bereits von 1954 bis 1956 auf KFK 365 STURMVOGEL und KFK 622 PAULA. Von 1956 bis 1964 fuhr er auf KFK 560 HEIMAT bei Heinz Sporwien, meist in der Lachsfischerei als Bestmann. 1962 erwarb er in Büsum das Steuermannspatent für die Große Hochseefischerei, das Patent B3.

Zum KFK 560 HEIMAT ist außerdem überliefert, dass das am Heck gefahrene Rettungsboot im Jahr 1958 durch ein Floß ersetzt wurde. 1959 zog Eigner Heinz Sporwien nach Kiel, wodurch der KFK Kiel als Heimathafen erhielt. Dennoch ging das Schiff jedes Jahr wieder nach Eckernförde zur Siegfried-Werft. Dort wurden 1960 das Ruderhaus erneuert, die Masten neu aufgesetzt und ein neuer Deutz-Dieselmotor eingebaut.

Flüchtlingsfamilien und Eckernförder Fischerei

Rückblickend berichtete Horst Gradlowski über die schwierige erste Zeit nach Kriegsende, über die Eingewöhnung als Flüchtling in eine neue Umgebung und über das anfängliche Konkurrenzgefühl zwischen alteingesessenen Berufsfischern und Nebenerwerbsfischern.

Später entstanden dennoch gemeinsame Gespanne zwischen Eckernförder Fischern und den sogenannten „Flüchtlingen“. Bernd Gradlowski zählte 28 Namen ehemaliger Flüchtlingsfamilien, die Teil der Geschichte des Fischereistandortes Eckernförde wurden.

Die Geschichte der ANTARES steht damit nicht nur für den Lebenslauf eines ehemaligen Kriegsfischkutters, sondern auch für die Nachkriegsgeschichte der Fischerei, des Angelkutterbetriebs und der Werftarbeit in Eckernförde.

Letzte bekannte Stationen

Im November 2013 wurde die ANTARES an den Decksmann „Rio“ verkauft. Als Eignerin wird Martina Rioflorido aus Fehmarn genannt. Ihr Mann „Rio“ fuhr als Matrose, Kapitän war Herr Hoffmann.

Später folgte als Eigner Bernd Klement in Heikendorf.

Am 27. April 2018 bot Daniela Klement den Kutter bei eBay an.

2018 wurde die ANTARES für 25.000 Euro nach Flensburg verkauft.

2019 übernahm die Firma Offshore Yachtshop aus Flensburg den ehemaligen Kriegsfischkutter. Dort begann ein umfangreicher Umbau. Der Deckssalon wurde vollständig entkernt und der ehemalige Fischraum ausgebaut. Geplant war, die ANTARES künftig als schwimmendes Büro des Unternehmens zu nutzen.

2021 wechselte der Kutter erneut den Eigentümer. Ein junger Bootsbauer erwarb die ANTARES und nutzt sie seitdem als Wohnschiff.

2026 liegt die ANTARES weiterhin schwimmfähig an der Museumswerft Flensburg.

ANTARES bei Stundenfahrten, auslaufend Eckernförde. Das Fenster im Ruderhaus ließ sich damals noch öffnen; es wurde später verschraubt. Der Rumpf war zu diesem Zeitpunkt bereits blau gestrichen. Bild: © Gerd Fiebiger, 1983.
ANTARES, ex KFK 518. Bild: © Gerd Fiebiger, 2014.

Diskussion

Bernd Gradlowski, 2026/07/05 06:29

2019 als Eigner die Firma Offshore Yachtshop Flensburg. (Bootsbedarf) Es erfolgte der Umbau der ANTARES in Flensburg. Der Decksalon wurde entkernt. Der Fischraum ausgebaut. Der KFK sollte als schwimmendes Büro für die Firma zu Einsatz kommen. 2021 erneuter Eignerwechsel. Ein junger Bootsbauer hat den KFK erworben. Er wohnt auf den KFK. Die ANTARES liegt 2026 noch schwimmfähig an der Museumswerft in Flensburg.

Bernd Gradlowski, 2026/08/06 05:30

Die ANTARES machte auch im Sommer 1979 Stundenfahrten von Langballigau aus. Die Stundenfahrten ab Langballigau wurde damals von den Touristen gut angenommen. Nur am Liegeplatz war nicht genug Wasser unter dem Kiel. Man konnte dort im Hafen auch nicht drehen. Die ANTARES wurde Später wieder von Langballigau abgezogen.

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