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CAPELLA

CAPELLA

Allgemeines
Name MÖVE
ab 1954: CAPELLA
Fischereikennzeichen KIE 712
ab 02.1954: SO 8
ab 11.1959: SK 8
Unterscheidungssignal DKHT
Eigner / Betreiber F. & A. Weinreich, Möltenort (Charter)
Karl-Heinz & Heinz Christoph, Heikendorf
Heinz Christoph, Heikendorf
H. & H. Christoph, Heikendorf
Max Uwe Karstens, Lübeck
Günter Tholl, Hamburg
Claus Lutz, Eckernförde
Tanja Lutz, Eckernförde
Typ Kriegsfischkutter
später Fischkutter
Freizeitkutter
zuletzt Räucher- und Gastronomieschiff
Baunummer KFK 334
Baujahr 1944
abweichend überliefert: Juli 1943
Bauwerft Ernst Burmester Schiffswerft, Swinemünde
Status am 28.05.2026 in Eckernförde gesunken
am 30.05.2026 gehoben und an Land gesetzt
Technische Daten
Vermessung 68 GT
Länge 24,00 m
Breite 6,40 m
Tiefgang 2,50 m
Maschine Modag 120 PS
ab 1959 Modag 150 PS
ab 1973 Callesen 240 PS mit Verstellpropeller
Ballast nach Umbau ca. 8 t Beton

CAPELLA

Die CAPELLA war der ehemalige Kriegsfischkutter KFK 334. Nach ihrem Kriegseinsatz fuhr sie mehr als vier Jahrzehnte als Fischkutter. In den 1990er Jahren kam sie nach Eckernförde und wurde von Fischermeister Claus Lutz zu einem festliegenden Räucher- und Gastronomieschiff umgebaut.

Seit etwa 2002 gehörte die CAPELLA zum vertrauten Bild des Eckernförder Hafens. Nach der Einstellung des Räuchereibetriebs im Oktober 2024 verschlechterte sich der Zustand des Kutters. Am 28. Mai 2026 sank das Schiff schließlich an seinem Liegeplatz. Zwei Tage später wurde es gehoben und an Land gesetzt.

Baujahr und Identifizierung

Die CAPELLA ist als ehemaliger KFK 334 identifiziert. Dieser Kutter wurde auf der Ernst Burmester Schiffswerft in Swinemünde gebaut.

In den vorliegenden Eckernförder Aufzeichnungen wird als Bauzeit Juli 1943 genannt. Das Historische Marinearchiv führt für KFK 334 dagegen die Indienststellung am 6. März 1944 an. Auch andere Übersichten nennen 1944 als Baujahr. Die ältere Angabe Juli 1943 könnte sich auf den Baubeginn, eine frühe Werftmeldung oder eine fehlerhafte Übertragung beziehen.

Die Maße entsprachen dem Standard des Kriegsfischkutters: 24,00 × 6,40 × 2,50 m. Die Vermessung wird mit 68 GT angegeben. Als ursprüngliche Hauptmaschine diente ein Modag-Dieselmotor mit 120 PS.

Kriegseinsatz in Norwegen

Ab Juli 1943 beziehungsweise nach der Indienststellung 1944 wurde der Kutter dem Marineoberkommando Norwegen zugeordnet.

In Molde wurde er unter den Kennungen NM 41 und V 6811 eingesetzt. Nach den überlieferten Angaben gehörte er dort zu einer Hafenschutzformation.

Bei Kriegsende befand sich der Kutter weiterhin in Molde. Anschließend fiel er als britische Beute in alliierte Hände.

Das Historische Marinearchiv führt KFK 334 als Hilfsräumboot der Kriegsmarine. Die Außerdienststellung wird dort für Oktober 1946 angegeben.

MÖVE

Im Oktober 1946 wurde der ehemalige Kriegsfischkutter als KIE 712 MÖVE für die Fischerei in Kiel registriert.

Das Schiff fuhr zunächst in Charter für F. und A. Weinreich aus Möltenort. Der Rückbau vom Marinefahrzeug zum Fischkutter erfolgte bei den Howaldtswerken in Kiel.

Für 1949 ist das Unterscheidungssignal DKHT überliefert.

1951 wurde die MÖVE im Rüschkanal in Finkenwerder aufgelegt. Der ehemalige KFK befand sich offenbar in einem schlechten wirtschaftlichen oder technischen Zustand und war bereits zum Abbruch vorgesehen.

Der Abbruch unterblieb jedoch. 1953 erfolgte der Ankauf für die Bundesrepublik Deutschland beziehungsweise die Rückführung in reguläre deutsche Eigentumsverhältnisse.

CAPELLA in der Fischerei

Im Februar 1954 erhielt der Kutter den Namen CAPELLA und das Fischereikennzeichen SO 8.

Eigner waren zunächst Karl-Heinz und Heinz Christoph aus Heikendorf. Ab Dezember 1958 wird Heinz Christoph als Eigner genannt.

1959 erhielt die CAPELLA einen Modag-Dieselmotor mit 150 PS.

Mit der Neuordnung der schleswig-holsteinischen Fischereikennzeichen wurde der Kutter im November 1959 als SK 8 CAPELLA registriert. Heimathafen blieb Heikendorf.

1973 werden H. und H. Christoph aus Heikendorf als Eigner genannt. Im selben Jahr wurde ein Callesen-Dieselmotor mit 240 PS eingebaut. Die Anlage besaß einen Verstellpropeller, bei dem die Steigung der Propellerblätter verändert werden konnte. Dadurch ließ sich die Fahrtrichtung ändern, ohne die Drehrichtung der Maschine umzukehren.

Umbau auf Bornholm

1985 wurde die CAPELLA auf der Baadebyggeri Værft im Südhavn von Nexø auf Bornholm umgebaut.

Bei diesem Umbau erhielt der Kutter das später charakteristische Aluminium-Ruderhaus.

Ab 1987 war Helmut Christoph alleiniger Eigner.

Am 14.12.1992 wurde die CAPELLA aus dem Fischerei-Register genommen. Damit endete ihre fast vier Jahrzehnte dauernde Nutzung in der gewerblichen Fischerei.

Freizeitkutter und Hamburger Pläne

Im Dezember 1992 wurde das Schiff als Freizeitkutter an Max Uwe Karstens aus Lübeck verkauft.

Im Dezember 1994 übernahm Günter Tholl aus Hamburg den ehemaligen Fischkutter. Die CAPELLA wurde in den Hamburger Kohlenschiffhafen überführt und dort aufgelegt.

Geplant waren ein umfassender Umbau und anschließend eine Überführung in die Karibik. Diese Pläne wurden nicht verwirklicht.

Ende 1995 kaufte Fischermeister Claus Lutz aus Eckernförde den Kutter und brachte ihn zurück an die Ostseeküste.

Rückkehr nach Eckernförde

Nach der Rückführung wurde die CAPELLA zunächst im Eckernförder Binnenhafen bei der heutigen Werft „De lütte Werft“ aufgelegt.

Claus Lutz begann dort schrittweise mit dem Umbau zu einem Räucher- und Verkaufsschiff. Das bisher offene Arbeitsdeck wurde überdacht und teilweise geschlossen. Auf dem Deck wurden zwei Räucheröfen installiert.

Auf dem Achterschiff entstanden zusätzliche Toilettenanlagen. Durch die neuen Aufbauten und Einrichtungen wurde das Schiff achtern erheblich schwerer. Um die Schwimmlage auszugleichen, wurden rund acht Tonnen Betonballast eingebracht.

Der Umbau veränderte das Erscheinungsbild und die Gewichtsverteilung des ehemaligen Fischkutters deutlich. Aus einem fahrenden Arbeitsfahrzeug wurde ein dauerhaft festliegender Gastronomiebetrieb.

Der Räucherkutter

Etwa 2002 nahm die CAPELLA als Räucherkutter ihren Betrieb auf.

Der erste Liegeplatz befand sich unmittelbar hinter der Holzbrücke im Eckernförder Binnenhafen. Später wurde das Schiff in den Außenhafen verlegt. Dort blieb es bis zu seinem Untergang im Mai 2026.

Auf der CAPELLA wurden Fisch geräuchert sowie Fischgerichte und Fischbrötchen verkauft. Das Schiff entwickelte sich zu einem auffälligen Bestandteil des Hafens und zu einem beliebten Anlaufpunkt für Einheimische und Besucher.

Die CAPELLA wurde damit über viele Jahre nicht mehr als Schiff im eigentlichen Sinne wahrgenommen, sondern als schwimmender Fischimbiss und Gastronomiebetrieb. Gleichwohl blieb unter den Aufbauten der Rumpf des 1944 gebauten Kriegsfischkutters erhalten.

Onlineübersichten zu den Kriegsfischkuttern bezeichneten die CAPELLA ausdrücklich als ehemaligen KFK 334 und als festliegenden Fischimbiss in Eckernförde.

Claus und Tanja Lutz

Fischermeister Claus Lutz betrieb neben der CAPELLA auch den Angelkutter SIMONE. Beide ehemaligen Kriegsfischkutter gehörten über viele Jahre zu den markantesten Schiffen im Eckernförder Hafen.

Im November 2015 verstarb Claus Lutz.

Seine Frau Tanja Lutz führte den Räucherei- und Gastronomiebetrieb auf der CAPELLA weiter. Während die SIMONE noch einige Jahre als Angel- und Seebestattungsschiff eingesetzt wurde, blieb die CAPELLA dauerhaft an ihrem Liegeplatz.

Werftaufenthalt 2021

Im Frühjahr 2021 wurde die CAPELLA zur Rathje-Werft nach Kiel-Friedrichsort geschleppt.

Der seit 1973 eingebaute Callesen-Motor mit 240 PS war zu diesem Zeitpunkt defekt und nicht mehr betriebsfähig. Da die CAPELLA seit Langem als festliegendes Gastronomieschiff genutzt wurde, war ein eigener Fahrantrieb für den Betrieb nicht mehr erforderlich.

Auf der Rathje-Werft wurde der hölzerne Rumpf noch einmal überholt. Unter anderem wurden mehrere beschädigte oder geschwächte Planken ersetzt. Die Werft dokumentierte den Aufenthalt der CAPELLA in ihrem Werft-Logbuch.

Nach Abschluss der Arbeiten wurde das Schiff nach Eckernförde zurückgeschleppt und wieder als Räucherkutter genutzt.

Einstellung des Betriebs und Verkauf

Im Oktober 2024 wurde der Betrieb auf der CAPELLA eingestellt. Anschließend stand das Schiff zum Verkauf.

Im Januar 2025 soll ein Käufer aus Hamburg den ehemaligen KFK erworben haben. Geplant war, die CAPELLA in die Niederlande zu überführen und dort zu einem Wohnschiff umzubauen.

Auch in der regionalen Presse wurde im Juni 2025 berichtet, dass das Schiff verkauft sei und in den Niederlanden als Hausboot beziehungsweise Wohnschiff genutzt werden sollte. Wann und auf welche Weise die Überführung erfolgen sollte, blieb jedoch ungeklärt.

Die geplante Abholung fand nicht statt. Die CAPELLA verblieb weiterhin an ihrem bisherigen Liegeplatz im Eckernförder Außenhafen.

Wassereinbruch im Juni 2025

Am 12. Juni 2025 drang im Maschinenraum Wasser in den Kutter ein. Die CAPELLA drohte an ihrem Liegeplatz zu sinken.

Die Freiwillige Feuerwehr Eckernförde setzte Pumpen ein und konnte das Schiff zunächst schwimmfähig halten. Auch nach dem Feuerwehreinsatz liefen im Rumpf weiterhin zwei über einen Landanschluss versorgte Lenzpumpen.

Der Vorfall zeigte, dass der hölzerne Rumpf dauerhaft Wasser aufnahm und nur noch durch technische Hilfsmittel trocken gehalten werden konnte.

Trotz des erkennbar kritischen Zustands verblieb die CAPELLA fast ein weiteres Jahr im Wasser.

Untergang im Mai 2026

Am Morgen des 28. Mai 2026 sank die CAPELLA an ihrem Liegeplatz im Eckernförder Hafen.

Das ehemalige Räucher- und Restaurantschiff setzte auf dem Hafengrund auf. Zur Sicherung gegen eine mögliche Verunreinigung des Hafenbeckens wurde eine Ölsperre ausgelegt.

Der Untergang erfolgte fast genau ein Jahr nach dem ersten größeren Wassereinbruch. Der Betrieb an Bord war zu diesem Zeitpunkt bereits seit Ende 2024 eingestellt.

Bergung

Am 30. Mai 2026, zwei Tage nach dem Untergang, wurde die CAPELLA geborgen.

Die Bergung entwickelte sich zu einer rund zwölfstündigen Aktion. Der alte Holzrumpf musste vorsichtig angehoben und stabilisiert werden, damit er während der Arbeiten nicht auseinanderbrach oder erneut volllief.

Nach dem Anheben wurde die CAPELLA aus dem Hafenbecken genommen und an Land gesetzt.

Der NDR berichtete, dass das Schiff in den vorausgegangenen Jahren wiederholt Wasser aufgenommen hatte. Auch die regionale Presse dokumentierte die erfolgreiche Bergung zwei Tage nach dem Untergang.

Mit der Bergung endete die mehr als zwanzigjährige Zeit der CAPELLA als festliegendes Gastronomieschiff im Eckernförder Hafen.

Bedeutung für Eckernförde

Die CAPELLA war eines der langlebigsten und bekanntesten Beispiele für die zivile Nachnutzung eines Kriegsfischkutters.

Ihr Lebenslauf umfasste mehrere vollkommen unterschiedliche Nutzungsphasen:

  • Marinefahrzeug und Hafenschutzboot im Zweiten Weltkrieg
  • Fischkutter MÖVE
  • Fischkutter CAPELLA in Heikendorf
  • Freizeitkutter
  • geplanter Fahrtenkutter für die Karibik
  • Räucher- und Gastronomieschiff in Eckernförde
  • geplanter Umbau zum niederländischen Wohnschiff

Besonders für Eckernförde war die CAPELLA weit mehr als ein ehemaliges Schiff. Seit etwa 2002 gehörte sie fest zum Hafenbild. Zusammen mit der SIMONE erinnerte sie noch lange an die Zeit, in der mehrere ehemalige Kriegsfischkutter von Eckernförde aus eingesetzt wurden.

Nach dem Ende der SIMONE war die CAPELLA der letzte noch in Eckernförde erhaltene ehemalige KFK. Ihr Untergang und ihre Bergung im Mai 2026 markierten daher auch das sichtbare Ende eines besonderen Kapitels der Eckernförder Hafen- und Fischereigeschichte.

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