SIMONE
| Allgemeines | |
|---|---|
| Name | KAROLINE ab 1975: Fahrgastschiff KAROLINE ab 1977: SIMONE R. ab 1994: SIMONE |
| Fischereikennzeichen | BX 452 ab 1955: SO 20 ab 1959: SK 2 |
| Unterscheidungssignal | DEPS |
| MMSI | 211231780 |
| Eigner / Betreiber | A. Kuhr, Bremerhaven Fischereigemeinschaft E. Joppien & Co., Heikendorf O. Joppien, Heikendorf Kurt Weinreich, Heikendorf Gerhard Richter, Maasholm H. & R. Ausflugs-Reederei, Maasholm Claus Lutz, Eckernförde Tanja Lutz, Eckernförde Ernst Schliemann, Eckernförde Lars Benn, Berlin |
| Typ | Kriegsfischkutter später Fischkutter Fahrgast-, Angel- und Seebestattungsschiff |
| Baunummer | KFK 488 |
| Baujahr | Juni 1944 |
| Bauwerft | Ernst Burmester Schiffswerft KG, Swinemünde |
| Status | seit 2025 im Wikinghafen Schleswig havariert 2026 zur Bergung und Entsorgung vorgesehen |
| Technische Daten | |
| Vermessung | 72 GT |
| Länge | 24,00 m |
| Breite | 6,40 m |
| Tiefgang | 2,50 m |
| Maschine | ursprünglich Modag 120 PS ab 1952 Modag 150 PS später MWM 400 PS |
| Ruderanlage | originales KFK-Ruder mit Costa-Birne |
| Fahrgastzulassung | zeitweise 50 Personen |
SIMONE
Die SIMONE, zuvor SIMONE R., war der letzte von Eckernförde aus eingesetzte Angelkutter. Das Schiff war der ehemalige Kriegsfischkutter KFK 488.
Der Kutter hatte einen besonders langen Lebenslauf: Er diente zunächst der Kriegsmarine, fuhr nach dem Krieg fast drei Jahrzehnte als Fischkutter KAROLINE, wurde anschließend zum Fahrgast- und Angelkutter umgebaut und kam 1994 nach Eckernförde. Dort blieb er etwa ein Vierteljahrhundert in Fahrt.
Bau und Kriegseinsatz
KFK 488 wurde im Juni 1944 bei der Ernst Burmester Schiffswerft KG in Swinemünde gebaut.
Die Maße betrugen 24,00 × 6,40 × 2,50 m, die Vermessung 72 GT. Als Hauptmaschine war ursprünglich ein Modag-Dieselmotor mit 120 PS eingebaut.
Ab Juni 1944 wurde der Kutter von der Kriegsmarine unter der Kennung NKi 20 geführt. Im Juli 1944 erhielt er die Kennung V 6710. Für 1945 ist die Kennung Vs 631 überliefert. Im Mai 1945 befand sich das Schiff als UJ 632 in Fahrt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Kutter zunächst zurückgehalten. 1946 gehörte er zur KFK-Reserve Kiel.
Umbau zur KAROLINE
1947 wurde der ehemalige Kriegsfischkutter als BX 452 KAROLINE in Bremerhaven registriert.
Der Umbau zum zivilen Fischkutter erfolgte bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder. Anschließend fuhr die KAROLINE zunächst in Charter für A. Kuhr aus Bremerhaven.
Im Oktober 1948 ist das Schiff weiterhin als BX 452 KAROLINE verzeichnet. Das Unterscheidungssignal lautete ab 1949 DEPS.
Im Oktober 1951 kam der Kutter in Charter zur Fischereigemeinschaft E. Joppien & Co. nach Heikendorf.
1952 wurde die Maschinenleistung auf 150 PS erhöht. 1953 erfolgte der Ankauf durch die Bundesrepublik Deutschland beziehungsweise die Überführung in deutsche Eigentumsverhältnisse.
Ab Februar 1955 fuhr das Schiff als SO 20 KAROLINE für E. Joppien & Co. in Heikendorf.
Im Dezember 1958 wird O. Joppien aus Heikendorf als Eigner genannt. Im selben Jahr erhielt der Kutter einen Modag-Motor mit 180 PS.
Ab November 1959 wurde das Schiff als SK 2 KAROLINE geführt.
Vom Fischkutter zum Fahrgastschiff
1972 wurde die KAROLINE als Fischereifahrzeug außer Dienst gestellt.
1975 erfolgte der Umbau zum Fahrgastschiff. Dabei wurde ein neuer, großflächig verglaster Decksalon aufgesetzt. Eigner war Kurt Weinreich aus Heikendorf.
Ab 1976 wurde die KAROLINE als Angelkutter eingesetzt.
1977 erhielt das Schiff in Maasholm den Namen SIMONE R.. Das „R“ stand für den Eigner Gerhard Richter.
Ab 1992 wurde der Kutter von der H. & R. Ausflugs-Reederei in Maasholm betrieben.
Für eine Mark nach Eckernförde
1994 kaufte Claus Lutz aus Eckernförde den ehemaligen KFK in Maasholm für den symbolischen Preis von einer Deutschen Mark.
Als SIMONE erhielt das Schiff Eckernförde als Heimathafen. Es wurde fortan für Hochseeangelfahrten, Ausflugsfahrten und Seebestattungen eingesetzt. Claus Lutz führte den Kutter überwiegend selbst.
Die SIMONE wurde damit zum letzten regelmäßig von Eckernförde aus eingesetzten Angelkutter. Noch in den 2000er Jahren wurden täglich lange Angelfahrten angeboten; zeitgenössische Angaben nennen eine Kapazität von bis zu 50 Fahrgästen.
Der Rumpf war zunächst rot gestrichen. Etwa ab 2014 erhielt er den später bekannten blauen Anstrich.
Neuer MWM-Motor
Unter Claus Lutz wurde die bisherige Maschine ausgetauscht. Eingebaut wurde ein gebrauchter MWM-Dieselmotor mit 400 PS.
Dieser Motor hatte zuvor als Notstromaggregat im Klinikum Itzehoe gestanden. Der Einbau eines für den stationären Betrieb vorgesehenen Aggregats war für einen Angelkutter ungewöhnlich, erwies sich jedoch als praktikable Lösung.
Mit einer Leistung von 400 PS gehörte die SIMONE zu den stärker motorisierten ehemaligen Kriegsfischkuttern in Eckernförde.
Arbeiten am Rumpf
Während der Wintermonate lag die SIMONE häufig bei der Eckernförder Werft von Manfred Zappe.
Dort wurden nach und nach die Stahlspanten im Fischraum und in der Logis erneuert. Im Maschinenraum waren die alten Stahlspanten durch die dortigen Öldämpfe vergleichsweise gut erhalten geblieben. Das Öl hatte den Stahl über Jahrzehnte gewissermaßen konserviert.
Der Kutter besaß bis zuletzt sein originales KFK-Ruder mit Costa-Birne. Dabei handelt es sich um einen stromlinienförmigen Körper am Ruder, der die Strömung hinter der Schiffsschraube verbessern sollte.
Nach dem Tod von Claus Lutz
Im November 2015 verstarb Claus Lutz.
Seine Frau Tanja Lutz führte den Betrieb mit der SIMONE weiter. Da sie das Schiff nicht selbst als Kapitänin führte, kamen verschiedene Setzkapitäne zum Einsatz.
Im Juni 2018 wurde der Kutter auf der Rathje-Werft in Kiel-Friedrichsort noch einmal grundlegend überholt. Unter anderem wurde die Schwanzwelle gezogen und kontrolliert.
Anschließend wurde die SIMONE zum Verkauf angeboten. 2018 endete ihr Einsatz als Eckernförder Angelkutter.
Verkauf nach Schleswig
Im Oktober 2019 kaufte Ernst Schliemann aus Eckernförde die SIMONE. Schliemann betrieb eine Yacht- und Navigationsschule in Eckernförde-Borby.
Der Kutter wurde von Eckernförde nach Schleswig überführt und erhielt einen Liegeplatz im Wikinghafen unterhalb des Wikingturms.
Vorgesehen war eine Nutzung als Schulungsschiff oder als schwimmendes Café. Beide Pläne wurden nicht mehr verwirklicht.
Anfang 2022 verstarb Ernst Schliemann.
Erste Havarie im Wikinghafen
Im August 2022 lief die SIMONE an ihrem Liegeplatz erstmals vollständig mit Wasser voll.
Da sich unter dem Kiel nur etwa 50 Zentimeter Wasser befanden, setzte der Kutter auf dem Hafengrund auf und blieb dabei weitgehend aufrecht stehen. Das Schiff wurde anschließend leergepumpt und vorübergehend wieder schwimmfähig gemacht.
Sämtliche Betriebsstoffe wurden entfernt, um bei einem erneuten Wassereinbruch eine Verunreinigung des Hafens zu verhindern.
Übernahme durch Lars Benn
Im Oktober 2023 übernahm Lars Benn aus Berlin die SIMONE. Er plante, den Kutter wieder instand zu setzen und erneut in Fahrt zu bringen.
Die dafür notwendigen finanziellen und technischen Mittel standen jedoch nicht zur Verfügung. Der Zustand des hölzernen Rumpfes verschlechterte sich weiter.
Erneuter Untergang
Anfang 2025 lief die SIMONE erneut voll und sank an ihrem Liegeplatz im Wikinghafen auf Grund.
Ein von der Stadt Schleswig in Auftrag gegebenes Gutachten stufte den Kutter schließlich als Wrack ohne wirtschaftlichen Marktwert ein. Eine Wiederherstellung erschien angesichts des schlechten Zustands und der zu erwartenden Kosten nicht mehr realistisch.
Vorgesehen war, die SIMONE schwimmfähig zu machen, von Schleswig nach Arnis zu schleppen und dort auf der Eberhardt-Werft abzubrechen und zu entsorgen.
Die Kosten für Bergung, Schleppfahrt und Entsorgung wurden auf rund 100.000 Euro geschätzt.
Gescheiterter Bergungsversuch 2026
Am 26. Juni 2026 wurde versucht, die SIMONE für ihren Abtransport vorzubereiten.
Der erste Bergungsversuch scheiterte, weil der Kutter erneut voll Wasser lief. Die festgestellten Leckstellen wurden anschließend wieder verschlossen und das Schiff erneut leergepumpt.
Nach den zuletzt vorliegenden Angaben lag die SIMONE danach wieder schwimmfähig an ihrem Liegeplatz im Wikinghafen. Dort wartete sie auf den geplanten Abtransport nach Arnis.
Ob der Kutter noch geschleppt werden kann oder vor Ort zerlegt werden muss, hängt vom Zustand des Rumpfes und der Stabilität während der weiteren Bergungsarbeiten ab.
Der letzte Eckernförder Angelkutter
Die SIMONE nahm in der neueren Geschichte des Eckernförder Hafens eine besondere Stellung ein.
Während in den 1970er und 1980er Jahren noch mehrere ehemalige Fischkutter von Eckernförde aus zu Angel- und Stundenfahrten aufbrachen, verschwanden diese Schiffe nach und nach aus dem Hafen. Die SIMONE hielt sich am längsten.
Von 1994 bis 2018 war sie Angel-, Ausflugs- und Seebestattungsschiff in Eckernförde. Ihr Eigner Claus Lutz, der markante rote und später blaue Rumpf und die regelmäßigen Ausfahrten machten sie zu einem festen Bestandteil des Hafenbildes.
Mit ihrer Stilllegung endete die Epoche der großen Eckernförder Angelkutter.





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