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regatta_fuer_fischerboote_anno_1901
Der folgende Text stammt aus den Mitteilungen des Deutschen Seefischerei-Vereins, Bd. XVII, Nr. 12, Dezember 1901. Er wirft ein interessantes Schlaglicht auf die Eckernförder Fischerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wiederentdeckt wurde der Text von Dierk Bobzin; zuletzt wurde er im Seglermagazin PIEKFALL abgedruckt.

Regatta für Fischerboote anno 1901

Original-Illustration

Die am 25. August vom Segelklub Eckernförde veranstaltete Fischerbootsregatta hatte sich einer äußerst regen Beteiligung zu erfreuen. Es war dies die zweite derartige Regatta, die seit Bestehen des Klubs veranstaltet worden ist, und darf wohl, dank der starken Beteiligung und des großen Interesses, welches ihr von allen Seiten entgegengebracht wurde, als eine äußerst gelungene betrachtet werden.

Se. Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen hatte dem Klub für das absolut schnellste Boot der Waadboot-Klasse einen Ehrenpreis überwiesen.

Segelwettfahrt für Fischerfahrzeuge zu Eckernförde, Sonntag, den 25. August 1901.

Dem absolutschnellsten Boot der III. Klasse Waadboote.

Heinrich Prinz von Preußen

hieß die eigenhändige Widmung Se. Königlichen Hoheit, und dazu gab es eine Abbildung Sr. Majestät des Kaisers.

Der königliche Landrat Herr Freiherr von der Reck hatte für das absolut schnellste Boot der Klasse I und II einen schwarz-weiß-roten Wimpel gestiftet, dessen mittleres rotes Feld die Inschrift trug: „Sieger von 1901.“

Vom Deutschen Seefischerei-Verein waren drei wertvolle Preise gestiftet; die übrigen Preise waren von den Eckernförder Fischkaufleuten und dem Segelklub Eckernförde beschafft worden.

Die zur Regatta gemeldeten 38 Boote waren in drei Klassen geteilt:

  • I. Schwertquasen
  • II. Kielquasen
  • III. Waadboote (2 Segel)

Schon in früher Morgenstunde sah man die zum Rennen gemeldeten Bootsinhaber ihre Vorbereitungen in fieberhafter Tätigkeit machen, damit zum festgesetzten Start 1 Uhr mittags alles klar war, und sehnsüchtig schaute man gen Himmel, ob für den Nachmittag nicht etwas mehr Wind in Aussicht stand, denn der in den Vormittagsstunden sanft wehende Südwind war für die an Wind und Wetter gewöhnten Fischer nicht anregend genug, am wenigsten aber für die großen Quasen. Hieß es doch heute „mit Vollsegel voraus“, um zu zeigen, was jeder zu leisten imstande war.

Allmählich bewölkte sich der Himmel und brachte etwas mehr Wind, jedoch immer noch nicht genügend, sodass auf dem Startboot die rote Flagge gehisst wurde, zum Zeichen, dass die Flautenbahn zu segeln war. Die Flautenbahn war für die Klassen I und II Start – Markboot unterm Sandkrug – Noer-Tonne – beide Tonnen waren an Backbord zu lassen – und zurück zum Ziel, für die Klasse III wie vor, jedoch nur bis zur Lindhöft-Tonne.

Punkt 1 Uhr, sobald der Startschuss gefallen war, nahmen die drei Klassen in Abstand von 5 Minuten die Startlinie. Der Wind wehte sehr schwach aus SSW, sodass das ganze Regattafeld schon beim Start sehr auseinandergezogen war.

Eckernförder Schwertquase, Gewinner des ersten Preises der ersten Klasse bei der Segelwettfahrt im Jahre 1901.

Es war prächtig anzusehen, wie die Boote in buntem Durcheinander die Bucht durchkreuzten. Das klare Blau des Wassers und die in prächtigem Braun schimmernden Segel gewährten, von der Sonne beleuchtet, ein äußerst malerisches Bild.

Drei Boote der Klasse I hielten sich stets unterm Lande, um die dort stehende Kühle auszunutzen, und gewannen dadurch bald einen bedeutenden Vorsprung. Als erster rundete Fritz Hoß das Markboot unterm Sandkrug, übernahm mit einem großen Vorsprung die Führung bis zuletzt und passierte als erster das Ziel und hatte sich so mit einer gesegelten Zeit von 4 Stunden, 15 Sekunden den Ehrenpreis des Herrn Landrats und den ersten Preis errungen. Den zweiten Preis erhielt Otto Rebbehn in einer gesegelten Zeit von 4 Stunden, 4 Minuten, 31 Sekunden, und den dritten Preis Heinrich Bock, Zeit 4 Stunden, 8 Minuten, 36 Sekunden.

Der SSW-Wind flaute bald gänzlich ab, und es setzte ein stärkerer Ostwind ein, sodass die Boote vor der Noer- resp. Lindhöft-Tonne aus „vor dem Winde“ in etwas schnellerer Fahrt zum Ziel gelangen konnten. Während die Klasse I ihre Reihenfolge bis zuletzt mit geringer Veränderung durchhielt, wechselte das Bild in der Klasse II sehr häufig.

Karl Harresen, der fast durchweg an der Spitze lag, errang in einer gesegelten Zeit von 4 Stunden, 6 Minuten, 2 Sekunden den ersten Preis, während den zweiten Aug. Ladebusch in der gesegelten Zeit von 4 Stunden, 9 Minuten, 45 Sekunden erhielt.

Den dritten Preis trug Fritz Rolfs davon, welcher die Strecke in 4 Stunden, 14 Minuten, 38 Sekunden abgesegelt hatte.

Eckernförder Kielquase von Karl Harresen, Gewinner des ersten Preises der zweiten Klasse bei der Segelwettfahrt im Jahre 1901.

Die Klasse III mit einer Anzahl von 16 Booten hatte ihr Feld häufig verändert, abwechselnd überholten sich die einzelnen Boote, bis sie nach der Rundung der Lindhöft-Tonne einreihten und in ziemlich dieser Reihenfolge durchs Ziel gingen.

Es war ein aufregender Kampf für die Waadboote, der wohl in erster Linie im Erringen des Ehrenpreises seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich zu suchen war.

Derselbe fiel zugleich mit dem ersten Preise Chr. Maßen zu in einer Zeit von 3 Stunden, 39 Minuten, 1 Sekunde.

Es folgten dann:

  • 2. Preis Johann Dibbert sen., Zeit 3 Stunden, 40 Minuten, 21 Sekunden.
  • 3. Preis Wilh. Dibbert, Zeit 3 Stunden, 40 Minuten, 37 Sekunden.
  • 4. Preis Karl Schröder, Zeit 3 Stunden, 46 Minuten, 11 Sekunden.
  • 5. Preis Joh. Dibbert jun., Zeit 3 Stunden, 47 Minuten, 53 Sekunden.
Eckernförder Waadboot von Christian Maßen, Gewinner des ersten Preises der dritten Klasse bei der Segelwettfahrt im Jahre 1901.

Nach Beendigung der Wettfahrt, welche von einem Dampfer und vielen Privatbooten begleitet worden war, versammelten sich die Beteiligten im „Strand Hotel“, wo der Vorsitzende des Segelklubs Eckernförde, Herr Christiansen, das Ergebnis der Regatta bekannt gab.

Um 8 Uhr schloss sich hieran die Preisverteilung, welche von dem königlichen Landrat Freiherrn von der Reck vorgenommen wurde.

Ein brausendes Hipp! hipp! hurrah! erscholl den Siegern.

Alsdann gedachte der Vorsitzende zunächst mit besonderem Danke des Prinzen Heinrich für sein besonderes Wohlwollen für den Klub und dessen Bestrebungen, schließend mit einem dreifachen Hurrah, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten.

Von den zahlreichen Reden und Toasten, welche gehalten und ausgebracht wurden, wollen wir noch die des Fischers Johann Dibbert erwähnen, der im Namen der Eckernförder Fischer dem Segelklub Eckernförde für die Veranstaltung dankte, und vor allen Dingen den Stiftern der Preise seinen Dank aussprach.

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