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Als der Segler Dierk Bobzin zufällige entdeckt, dass er Eigner der letzten bekannten Eckernförder Quase ist, recherchierte er die Geschichte dieses Bootstyps. Erstmalig erschienen ist der Beitrag im Seglermagazin PIEKFALL.

Wie die Eckernförder Quasen entstanden

von Dierk Bobzin

Fischerquasen, kurz Quasen genannt, sind die alten Segelboote der Schleswiger Fischer der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie waren 8 bis 12 m lang, 2,8 bis 3,4 m breit und konnten den Fang in ihrem seewasserdurchfluteten Innenraum, der Bünn, lebend abtransportieren. Trotzdem waren sie schnelle Segler.

Es ist schon sehr merkwürdig, dass diese Boote, von denen es um 1900 fast ein halbes Tausend gab, heute völlig in Vergessenheit geraten sind. Es scheint keine Literatur oder Bilder von ihnen zu geben. Anders als in Dänemark ist bei uns das Interesse an der eigenen Alltagskultur wohl nicht besonders groß. Erfreulicherweise beginnen heute jedoch immer mehr Leute Freude an dem Anblick der kleineren, alten Segler zu empfinden. Beweise dafür sind die Rumregatta in Flensburg und die Zeesenbootregatta in Bodstedt, die viele Tausend Besucher anlocken.

Es ist schon ein besonderer Anblick, und man fühlt sich in das vorige Jahrhundert versetzt, wenn vor der schönen Kulisse der Flensburger Förde die braunen Gaffelsegel der hölzernen Boote fast den ganzen Hafen ausfüllen. Die letzten deutschen Quasen sind in den 1960er Jahren abgewrackt worden, nachdem sie Jahrzehnte in der Fischerei gedient hatten und Anfang dieses Jahrhunderts zum Kutterb umgebaut wurden.

Anlass, etwas über die Quasen herauszufinden, gab mein Boot, das ich seit über 20 Jahren besitze: ein ehemaliger Fischkutter, den ich als Wrack gekauft hatte. Ein Klinkerboot mit starkem Überhang, das nicht die übliche, bauchige Form der heute noch eingesetzten Fischkutter hat. Meine Nachforschungen in Museen und Archiven ergaben, dass es sich um eine der ersten großen Quasen handelt, die 1872 in Ellerbek bei Kiel gebaut wurden.

Die ersten Quasen um 1855

Bis zum Jahre 1870 fand an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste praktisch keine Seefischerei statt, es wurde nur in Ufernähe mit kleinen Booten und von Land aus gefischt. Ein Fischer konnte zu dieser Zeit kaum seine Familie vom Fischfang ernähren. Für neue Geräte und Boote war natürlich auch kein Geld vorhanden. Zu allem Übel gab es im November 1872 auch noch eine Sturmflut, die viele Boote und Fanggeräte vernichtete.

Zwei Jahre vorher war in Berlin „Der Deutsche Fischereiverein“ gegründet worden, welcher sich von nun an der Nöte der Fischer annahm. Es wurde erst einmal eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Fischereigeräte und Methoden, sowie der Beschaffenheit der Ostsee gemacht. Ein Forschungsschiff zum Vermessen der Tiefen, des Salzgehaltes, der Temperaturen, der Strömungen, des Windes und der Fisch- und Pflanzenvorkommen wurde ausgesandt, ständige Beobachtungsstellen eingerichtet, sowie Fachleute in die Nachbarländer geschickt, um über dortige Erfahrungen in der Fischerei zu berichten.

Außerdem wurde beim Reichskanzler Bismarck eine jährliche Förderung der Fischerei von 50.000 Talern beantragt. Eine Verzögerung trat durch den Krieg 1870/71 mit Frankreich ein, der glücklicherweise nicht von langer Dauer war. Aber es gab bei uns keine Boote, die für die Seefischerei geeignet waren. Außerdem führte das Anlanden der Fische mit den althergebrachten Hütefässern (Lebendfischbehälter) im Schlepp, an heißen Tagen und bei längerer Fahrt dazu, dass die Fische nur noch tot ankamen und zum halben Preis verkauft werden mussten.

Quase nach ältester Bauart mit drei Sprietsegeln.

Der Fischereiverein hatte 1872 schon beträchtliche Erfolge erzielt, so wurden zum Beispiel Entschädigungen an Sturmflutopfer gezahlt, Kredite und Zuschüsse für Bootsneubauten und Geräte gewährt, sowie Beratungen und Schulungen zu neuen Geräten und Fangmethoden durchgeführt. Boote aus Nachbarländern wurden gekauft und erprobt. Man entschloss sich aber für eine landestypische Rumpfform, da man dafür hier die Erfahrung im Bootsbau nutzen konnte. Vorbild war hier sicher das Ellerbeker Fischerboot, ein Klinkerboot, das 2 bis 3 Sprietsegel an losen Pfahlmasten besaß und breiter gebaut war, als die schlanken Schleswiger Waadboote. Es besaß einen Kielbalken und die Bauart wurde bei den ersten Quasen (Kielquasen) beibehalten. Die Länge der Ellerbeker Boote betrug etwa 6 Meter. 1872 wurden in Ellerbek mehrere neue, geräumige Quasen gebaut, während zwei weitere bereits auf Stapel lagen (Bericht der Königlichen Regierung in Schleswig). Ob bereits vorher ein Prototyp gebaut wurde, ist nicht bekannt.

Wenn man bedenkt, wie der Fischfang seither vor sich ging, dann war dieses ein ähnlicher Fortschritt, wie 30 Jahre später die Einführung des Motors in der Fischerei. Die Quase wurde das Universalfahrzeug der westlichen Ostsee, sie war für alle Zwecke einsetzbar. Fischen mit Treib-, Zug-, Schlepp- und Stellnetzen, sowie der schnelle Transport und die Frischerhaltung der Fische war nun mit einem einzigen Fahrzeug möglich geworden. Die Fischer konnten jetzt das ganze Jahr über auf Fang gehen und mussten nicht mehr nebenbei in der Landwirtschaft arbeiten. Herr Hinkelmann, der Oberfischmeister der SH-Ostseeküste, schreibt 1885 in seinem Artikel über den Goldbuttfang (Scholle): „Ich sehe noch die erste Quase, wie sie mit Fischen aller Art reich beladen zum ersten Male vom Fangort in Sicht kam, und dabei, vermöge ihres scharfen Baues und ihrer Stabilität eine Fahrt beim Kreuzen entwickelte, dass alle in der Nähe befindlichen Fahrzeuge weit zurück blieben. Fische und deren Beförderung derselben an die Märkte, mehr verlangte man nicht, denn das Fangen war ja die größte Kleinigkeit“ (Originaltext).

Um die Bedeutung der Quasen für die Fischerei im 19. Jahrhundert zu beschreiben, gebe ich hier einen Bericht von Herrn Max von dem Borne aus seinem „Handbuch für Fischzucht und Fischerei“ aus dem Jahre 1886 wieder:

Noch in den fünfziger Jahren kannte man keine Bungen im Fahrzeug, sondern bediente sich kahnförmiger mit Löchern versehener Hütfässer, die man hinter dem Boote herschleppte. In den letzten Jahrzehnten aber sind diese Hütfässer gänzlich außer Gebrauch gekommen und verdrängt durch die schnellsegelnden Quasen, welche bald die Buttfischerei zu hoher Blüte brachten, einer Blüte, die leider im Verwelken scheint, seit die überall hart verfolgten Butten soviel dünner geworden sind. Nichts war früher für den Fischer schwieriger und ärgerlicher, als sich mit 2-3 hinter dem Boot geschleppten Hütfässern abzuplagen.

Bald sprangen die Leinen, an welchen sie befestigt waren, bald lösten sich die Schotten im Deckel und die Fische gingen davon, oder das Boot versagte die Wendung und stieß sich mit den Hütfässern die Wände ein. Alle diese Schwierigkeiten, Belästigungen und Zeitversäumnisse wurden beseitigt bei Einführung der Quasen, unter welchen namentlich die Eckernförder wegen ihrer Seetüchtigkeit eine hervorragende Rolle spielten. Es sind Fälle vorgekommen, wo die großen Handelsschiffe abhielten oder sich mit dicht gerefften Segeln unter den Wind legten, während die Quasen trotz Sturm und Wetter unbeirrt ihre Fahrt fortsetzten und das Ufer immer glücklich erreichten.

Oberfischmeister Andreas Hinkelmann

Der Fischmeister Hinkelmann, früher selbst in Eckernförde Fischer, sagte zu mir: „Ich habe weit von der Küste auf hoher See Stürme bewältigt, welche am Lande Häuser abgedeckt und Bäume entwurzelt haben, aber ich habe dabei niemals daran gedacht, dass der Kiel nach oben kommen könnte, ein so ungemein sicheres Gefühl ist es, in diesen, wenn auch offenen, Fahrzeugen zu segeln. Vier Mann an Bord können viel hereingesegeltes Wasser wieder herausbringen. Allerdings passieren beim Buttfang ab und zu Unfälle, aber man wird die Schuld eher einem plötzlichen Überfall von Wirbelwinden oder irgendeiner Fahrlässigkeit seitens der Fischer zuschreiben müssen. Bei einem regelrechten Sturm werden die allerwenigsten Fischer verunglückt sein.

Die Fahrzeuge sind also Quasen, und unter Quasen versteht man auf der Ostsee Fahrzeuge, welche wie die Ewer auf der Elbe mit einer Bunge, d. h. mit einer durchlöcherten Schiffsabteilung zum Lebendigerhalten von Fischen, versehen ist. Diese Bunge reicht bei allen Quasen von der Mittelducht bis zur Hinterducht. Größe und Tragfähigkeit der Quasen weichen nach den verschiedenen Arten sehr voneinander ab. Die größten messen 24 bis 26 Fuß über Steven und haben eine Breite von 9-10 Fuß. Solche große Quasen befinden sich wohl allein in Eckernförde. Die Segelkraft, welche diese schneidigen Fahrzeuge fortbewegt, ist im Verhältnis zu der Besegelung anderer Fahrzeuge ganz erstaunlich und besteht aus einem Klüver und drei Sprietsegeln.

Der Klüver enthält 20-30 Ellen Tuch. Der Vordermast misst 18-20 Fuß, seine Sprietstange 22-24 Fuß, der Groß(-Mittel)mast ist durchschnittlich 25 bis 28 Fuß, seine Sprietstange 30-36 Fuß lang. Der Besanmast hat nur eine Länge von 12-16 Fuß und seine Sprietstange 18-22 Fuß. Die Länge der Sprietstangen richtet sich nach dem spitzem oder stumpfem Zuschnitt der Segel an ihrer höchsten Spitze (Piek). Die nordschleswigschen Quasen, sowie die in Holstein gebräuchlichen sind zumeist erheblich kleiner, durchschnittlich etwa 18 bis 20 Fuß über Steven lang.

Je größer die Quasen gebaut werden, desto mehr stellt sich die Schwierigkeit ein, die Sprietsegel mit einfacher Handkraft zu regieren. So haben dann in den letzten Jahren einige Fischer versucht, das Großsegel durch ein Gaffelsegel zu ersetzen, wobei ja die Taljen einen Teil der Handkraft ersetzen, und statt des Vormastes und Vordersegels ein Focksegel anzubringen. Schon seit Jahren hat man sich mit dieser wesentlichen Umänderung beschäftigt, ohne anfangs das richtige Verhältnis der Betakelung für den vorliegenden Zweck ermitteln zu können. Es scheint aber doch, als werde diese Einrichtung sich Bahn brechen, denn einige Eckernförder haben den Beweis geliefert, daß mit solchen Segeln dieselbe Geschwindigkeit zu erreichen ist, wie mit den bisherigen, und dass auch beim Fischen die Hantierung ebenso leicht vor sich gehen kann.

Einführung der gedeckten Quasen

Die deutschen Fischer waren der Meinung, dass Treibnetzfischerei sich in der Ostsee nicht lohnen würde, da die Strömung hierfür zu gering sei. Die Dänen bewiesen das Gegenteil. Dänische Fischer fischten mit ihren seetüchtigen kleinen Decksbooten außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer vor Fehmarn mit Treibnetzen und hatten dabei beträchtliche Erfolge. Da die Fänge auch bei uns angelandet wurden, blieb das auch unseren Fischern nicht verborgen.

Interessante Übergangsform: Quase mit Gaffeltakelung und Sprietbesan.

1885 fing man an, viele von der Größe her geeigneten Boote einzudecken, um so auch bei schwerem Wetter auf der offenen See fischen zu können. Boote mit Sprietsegeln und entsprechender Größe wurden, wegen der besseren Segeleigenschaft und schlechten Handhabung der großen Sprietbäume, im Raum Eckernförde auf Gaffeltakelung umgerüstet. Da viele Fischer in hafenlosen Gebieten beheimatet waren, wurde auch ein neuer Bootstyp eingeführt: die Schwertquase mit einem Steckschwert in der Bünn.

Diese war wie ein Zeesboot getakelt, der Besanmast führte aber ein kleines Gaffelsegel ohne Giekbaum, oder das alte Sprietsegel. 1889 beschreibt Herr Hinkelmann in einem Bericht Über die Entwicklung des Fischereigewerbes in Eckernförde auch den derzeitigen Entwicklungsstand der Quasen:

Während sich der Buttfang mit Stellnetzen seit 1885 noch mehr verschlechtert hat, während seit Mitte April diesen Jahres mit Buttwaden, deren Zahl jetzt schon gegen 30 beträgt, Massen von Goldbutt - oft 50-60 pro Tag und pro Boot - gefangen werden. Viele der bei diesem Betriebe verwandten Quasen wurden im Laufe der letzten Jahre zum Schutze gegen die Witterungsverhältnisse mit einem Halbdeck versehen. Diese gehören zu den größten Fahrzeugen, welche an unserer Ostküste verwendet werden. Ihre Seetüchtigkeit hat durch Verwendung von Gaffelsegel statt Sprietsegel in einer Weise zugenommen, dass bei einigermaßen umsichtiger Leitung die Gefahr des Kenterns der Quasen fast ausgeschlossen ist. Die amtlich eingetragene Zahl der beim Betriebe der Seefischerei von Eckernförde aus benutzten Fahrzeuge beträgt gegenwärtig 237, nämlich 55 Quasen, 123 Boote und 59 Jollen. Mit Jollen werden hier die Waadboote bezeichnet, in Dänemark Smakke-Jolle.

Bilder von diesen Booten (Kielquase u. Schwertquase) habe ich in einem Bericht über die Fischerbootregatta von 1901 in Eckernförde gefunden. Außer den Quasen nahmen auch Waadboote teil (kleine Boote, mit 2 Sprietsegeln). Die unterschiedliche Bezeichnung für gleiche Bootstypen rührt daher, dass oft die Art der Anwendung der Boote als Typenbezeichnung galt (Zeesenboot, Flunderboot, Waadboot, Heuer, Strandboot usw.).

Motorisierung

Quase mit Hilfsmotor.

Ab etwa 1903 wurden allmählich alle Quasen, wie auch andere Fischereifahrzeuge mit Motoren ausgerüstet (Motorquasen, später Kutter genannt). Vorgemacht hatten es die Dänen, die schon etliche Fahrzeuge mit Maschinen ausgerüstet hatten und dadurch den Vorteil gewannen, bei ungünstigen Winden oder Flauten schneller die Märkte erreichen zu können.

Auch das Manövrieren im Hafen und am Netz wurde einfacher, gefischt wurde weiterhin unter Segeln. Geeignete Motoren für die Fischerei waren in Deutschland noch nicht verfügbar und so mussten sie im Ausland, z. B. in Dänemark beschafft werden.

Die ersten Maschinen waren Petroleummotoren, sehr groß, unzuverlässig und leistungsschwach, sie dienten nur als Hilfsmotoren. Für Petroleum entschied man sich, weil dieser Kraftstoff als einziger überall verfügbar war, da er damals ja auch für die Beleuchtung verwendet wurde.

Der Seefischereiverein bemühte sich um bessere und vor allem deutsche Maschinen und veranlasste 1908 in einem Preisausschreiben mehrere Maschinenfabriken, Motoren für die Fischerei zu entwickeln. Er begleitete diese Versuche, um später Empfehlungen darüber herauszugeben. Die Motorstärke betrug 5 bis 10 PS. Zum Teil wurde auch die Netzwinde über eine Kette von diesem Motor mit angetrieben. Die Quase WILLI aus Laboe nahm an diesen Versuchen teil, sie erreichte mit ihrem 8 PS Swidersky-Petroleummotor etwa 5 Knoten an Geschwindigkeit. Am besten bewährte sich der seit 1894 in Dänemark eingeführte Glühkopfmotor (Diesel), da er robust und zuverlässig war.

Außer dem Motor und der Segelschraube erhielten die Quasen nach 1918 allmählich Schanzkleid und Ruderhaus. Der Klüverbaum wurde entfernt oder lose mitgeführt. Die Bezeichnung Kutter für alle größeren Motorfahrzeuge bürgerte sich ein.

Für 1911 wurden für die schleswig-holsteinische Fischerei an der Ostseeküste 154 Fahrzeuge mit Motor und 2030 ohne angegeben. Quasen gab es von Grömitz bis Hadersleben, nördlich von Eckernförde waren die Fahrzeuge kleiner.

ECKE 14 ist eine typische, zum Fischkutter umgebaute Kielquase. Am Bug sind die Davits für das Treibnetz erkennbar.

Um 1930 muss es noch viele Quasen gegeben haben, man erkennt sie auf alten Fotos an der typischen Rumpfform und dem hufeisenförmigen Beschlag für Driftbaum und Stag. Am Bug waren auch die kleinen Davids für die Treibnetzfischerei angebracht. Durch den Umbau zum Kutter wirkten die Boote größer, auch die Takelung ist verändert worden. Der Giekbaum ging über das sehr weit achtern stehende Ruderhaus. Die Pinnensteuerung wurde mittels Seilzug auf Radsteuerung umgebaut. Der Motor befand sich in einem Verschlag, zwischen Bünn und Ruderhaus. Diese äußerliche Veränderung der Quasen mag vielleicht der Grund dafür sein, dass Herr Timmermann, der Leiter der schiffskundlichen Abteilung des Altonaer Museums, diese nicht mehr als solche erkannt hat und in seinem Buch 1962, über die nordeuropäischen Fischereifahrzeuge, berichtet, dass der Ursprung dieser Fahrzeuge nicht mehr zu ergründen sei.

Ich muss natürlich zugeben, dass die Verwandtschaft der alten Kutter mit den Ellerbeker Booten nicht leicht zu erkennen ist, vor allem, wenn man nicht mehr weiß, wie die alten Quasen ausgesehen hatten. Zum Glück gibt es noch einen Bericht des Seefischereivereins, mit Fotos von der Fischerbootregatta 1901 in Eckernförde, auf der Aussehen und Takelung der damals gebräuchlichen Boote genau zu sehen sind. Die Quasen in Schleswig-Holstein betrieben hauptsächlich Waaden- und Treibnetzfischerei, seltener Schleppnetzfischerei mit der Buttzeese. In der Regel bestand die Besatzung der Quase aus vier Mann.

Überfischung durch Modernisierung

Herr Hinkelmann, früher selbst Fischer in Eckernförde, wurde 1878 Königlicher Fischmeister für die S-H. Ostküste und 1894 Oberfischmeister. Ein großes Problem war damals bereits die Überfischung und die schädlichen Fanggeräte, wie die Zeese und die Ringwaade, weil auf diese Weise zuviel Laich und Fischbrut vernichtet wurde. Zu seinen Fischern sagte Herr Hinkelmann: „Wenn wi uns Kinner dothaut, wo schüllt denn de Nahkamen herkamen.“ („Wenn wir unser Kinder totschlagen, wo sollen dann die Nachkommen herkommen“)

Auswärtige Fischer hielten sich oft nicht an die Hoheitsgewässer und zerstörten dort auch die Stellnetze der heimischen Fischer, denn die schnellen Zeesenboote konnten der Fischereiaufsicht leicht entkommen. Herr Hinkelmann ging jedoch rigoros vor und forderte ein Torpedoboot von der Marine an, welches von nun ab ständig für Ordnung sorgte. Zeesenfischerei in S-H. Gewässern war bereits seit 1870 verboten, da die Fischgründe durch die Grundgewichte der Netze zerstört wurden.

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